Die Sache mit der Wahrheit

Die gute Macht der Klima-Wahrheit um das IPCC ist angeschlagen. Nach den Ereignissen um „Climate Gate“ und „Glacier Gate“ forderte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon unlängst eine wissenschaftliche Aufarbeitung des IPCC, um beim nächsten Assessment-Report einiges besser zu machen. Weltweit zehren Klima-Skeptiker jetzt von der schwächelnden Authorität des IPCC und auch in China hat der klimatologische Donner einige Skeptiker aus dem Tiefschlaf der Marginalisierung gerissen.

Ge Quansheng, Vize-Direktor am Institut für Geographie und Resourcen des Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS), ein leidenschaftlicher Kritiker des letzten IPCC-Berichts, meldete sich Anfang Januar 2010 prompt. Er zweifelte das grundlegende Dogma des IPCC an, den Kausalzusammenhang zwischen CO2-Konzentration und Temperaturanstieg:

"The IPCC report offered no definite scientific basis for the sensitivity of climate change to atmospheric CO2 concentration, although a warming trend was witnessed in the latter half of the 20th century".

Zuletzt im Juli 2009 hatte Ge mit anderen Mitstreitern aus der CAS grundlegende Zweifel an der IPCC-Annahme geäußert, dass menschliche Aktivitäten der Hauptfaktor des gegenwärtigen Klimawandels sind. Dabei verwies er auf grundlegende Mess- und Datenprobleme des letzten IPCC-Berichts.

Hatte die Chinesische Regierung sich nach langer Ablehnung zu einer Anerkennung des Zwei-Grad-Ziels in Kopenhagen durchgerungen, so stehen solche Dimensionen für den Klima-Skeptiker Qian Weihong, Professor für athmospherische Wissenschaft an der Peking-Universität, gar nicht zur Disposition. Im Schlepptau der IPCC-Affären fuhr er wieder seine Abkühlungstheorie auf. Demnach soll die Oberflächentemperatur der Erde zwischen 2010 und 2030 zwischenzeitlich sinken, danach wieder steigen. Dem natürlichen Zyklus folgend schätzt er den Temperaturanstieg bis Ende des Jahrhunderts auf ungefähr 0.6 Grad, wesentlich weniger als die vom IPCC geschätzten 1.4 bis 5.8 Grad.
Aus der Perspektive von Qian hat der Mensch kaum Einfluss auf das Klima, die gegenwärtigen Temperaturveränderungen sind Ausdruck natürlicher Prozesse. Stattdessen unterstellt er dem IPCC Korrelation und Kausalität miteinander zu verwechseln. Während der Anstieg der Temperatur und die CO2-Konzentration in der Atmosphäre korrellieren, müsse noch kein kausaler Zusammenhang zwischen beiden bestehen. Zudem stützten sich die Temperaturvoraussagen des IPCC nur auf Daten der letzten 150 Jahre, seine Schätzungen beziehen aber Daten seit dem 11. Jahrhundert ein.
Qian zeigt sich resigniert über das Wahrheits-Monopol des IPCC in der Wissenschaft und der öffentlichen Diskussion:

“Nowadays, the view that human activities have caused climate change has dominated the scientific community, public opinion and political discussions. Why are we hardly listening to opposing voices?
In the scientific community, in fact, there are different views. Mainstream scientists who support the climate-change hypothesis, however, almost monopolize the discussion, and oppress the views of climate skeptics. Articles giving higher estimations for future temperatures are easier to publish, and the voices hyping the severity of climate change gain a wider audience. On the contrary, the works that doubt the authenticity of climate change are either rejected or neglected. The global scientific community behaves unfairly on this matter, and consequently it is not surprising that climate skeptics used "Climategate" prior to the Copenhagen conference as a counterstrike to the mainstream.”

In China mehren sich die Stimmen gegen die Wissenschaftlichkeit des IPCC, schon ist der Ruf nach einer Überholung laut geworden. Die chinesischen Kommentatoren sind vor allem misstrauisch über die geringe Beteiligung von chinesischen Klimatologen am letzten IPCC-Bericht, gerade einmal 28 von über 4000. In der Tat muss das IPCC seine wissenschaftlichen Fakten besser prüfen, um versierten Klimaskeptikern in China keinen Aufwind zu geben. Denn das wäre eine falsche Entwicklung zur falschen Zeit.

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