Mittwoch, 30. April 2008

Biopolitik in Singapur oder die Angst vor dem ungebildeten "Mob"

In einem Beitrag für IHT schreibt Seth Mydans über die gescheiterten Versuche von Singapurs Regierung, die Geburtenrate ihres Landes anzuheben. Alle möglichen Sozialtechnologien, insbesondere jene mit dem Ziel, die Heirat und die Fortpflanzung unter den gebildeten Eliten zu fördern, sind bislang gescheitert. Diese Biopolitik richtet sich weniger gegen die Gefahr eines Aussterben der Bevölkerung Singapurs. Sie soll vielmehr die gewünschte "genetische Qualität" unter den Nachwuchs des Landes erzeugen. Inzwischen werden selbst an einigen Hochschulen Kurse in "dating," "relationship management" etc. angeboten. Singapur ist der "Gartenstaat" in Asien par excellence, in dem die Regierung - wenn man so möchte - züchtet, jätet, und sät, um ihre gärtnerischen Ambitionen (Bauman) umzusetzen.

Montag, 21. April 2008

Antiwestliche Proteste in China im Internet organsisiert

Die Flutwelle patriotischer Gefühle in China, die inzwischen zu Großdemonstrationen in mehreren Metropolen geführt hat, ist hauptsächlich durchs Internet organisiert und angetrieben. Dies ist auch eine Warnung für die kommunistische Partei, denn der Widerstand mittels von Kommunikationstechnologien könnten auch gegen die kommunistische Regierung selbst gerichtet werden.
Wie International Herald Tribune schreibt: "But while Chinese news reports have praised the patriotic upsurge, they have also reflected growing official unease over the anti-Western anger. "To their mind, this discontent could easily turn against them and accuse the government of being too soft," Wang said."

Mittwoch, 16. April 2008

"Der Chinese" - Gespenster in den deutschen Medien

Wer die deutschen Medien in den letzten Monaten, angefangen mit der Spiegel-Ausgabe "Die gelben Spione" bis zur Berichterstattung über die Ereignisse in Tibet und den olympischen Fackellauf, gelesen hat, der kann sich nicht des Verdachts erwehren, dass ein Gespenst umgeht. Der Rückgriff auf Stereotypen ist jedenfalls gespensterhaft. Demgemäß sind Chinesen (auch die im Ausland) alle gesteuert und kontrolliert von der Regierung in Peking, sie kennen nur das Interesse ihrer Nation, sie streben mit China die Weltherrschaft an und rauben dafür Wissen, Technologie etc. - und jetzt manipulieren sie auch ausländische Medien.

Die Dominanz solcher, teils auch rassistisch anmutender Stereotypen verhindert jede differenzierte Sichtweise und nuancierte Berichterstattung. Die Lagermentalität des Kalten Krieges feiert fröhliche Urstände: China, die Chinesen, die kommunistische Partei - alles ein und dasselbe - sind böse, uneinsichtig, manipulativ und manipuliert. Umfragen von BBC und Financial Times belegen die negative Sichtwiese in den Öffentlichkeiten Europas und Nordamerikas. Chinas Einfluss wird dort, im Gegensatz zu vielen Entwicklungs- und Schwellenländern inzwischen von einer deutlichen Mehrheit als schlecht bewertet. Das Land gilt noch vor den USA als größte Bedrohung für die Welt.

Wie sehnt man sich da nach der ausgewogenen und selbstreflektierten Ausführungen und vor allem der Dialogbereitschaft eines Nicolas Kristof .

Zwei Beispiele:

Spiegel online berichtet in Bildzeitungsmanier über die "ominösen" chinesischen Begleiter der olympischen Fackel:

"Die Empörung ist riesig, viele Fragen ungeklärt. Wer sind die chinesischen Männer in den blau-weißen Trainingsanzügen, mit den weißen Baseballmützen, manche mit Sonnenbrillen, alle mit schwarzem Hüftbeutel?

Die Männer, die während des olympischen Fackellaufs den engsten Kreis um das Feuer bilden. Die wie Bodyguards neben dem Schutzobjekt herjoggen, dieses löschen und entzünden, wenn sie es für geboten halten. Die handgreiflich werden, wenn zum Beispiel Tibet-Protestierer der Flamme zu nahe kommen. Die bei Gefahr dem Fackelläufer die sogenannte Olympische Laterne abnehmen. Die sie in einen Polizeibus bringen, um sie vor Demonstranten zu schützen.

Bei dem olympischen Fackellauf durch London und Paris fielen die chinesischen Sicherheitskräfte der Weltöffentlichkeit auf - und provozierten mit ihrem harschen Vorgehen Protest. Damian Hockney von der Londoner Stadtpolizei wird in der konservativen Zeitung "Daily Mirror" zitiert: "Solche Leute haben auf unseren Straßen nichts zu suchen. Wenn die Sicherheit eines solchen Umzugs nicht von britischen Kräften garantiert werden kann, sollte er besser gar nicht stattfinden. Wer hat diese Leute geprüft?" Sein Kollege Jenny Jones: "Ich würde gerne wissen, welchen Status sie haben und wie weit sie gehen würden. Sie sahen fies aus. Es war merkwürdig."

Die TV-Prominente Konnie Huq, die selbst als Fackelläuferin in den Straßen Londons unterwegs war, beschrieb die chinesischen Fackelwächter auf Nachfrage der BBC so: "Die Männer in blau machten jeden verdutzt. Niemand schien zu wissen, wer sie waren. Sie wirkten wie Roboter, und ich beobachtete, wie es zwischen ihnen, unserer Polizei und Olympia-Funktionären zu Geplänkeln kam."

Tagesschau.de stellt dem chinesischen Botschaften Ma Canrong Fragen nachdem das Nachrichtenportal der chinesischen Regierung einen Manipulationsversuch auf seine Website unterstellt hatte:

"tagesschau.de: Können Sie sich vorstellen, wer für eine solche Kampagne verantwortlich ist?

Ma: Diese Frage müssen Sie an sich selbst stellen. Es ist gerade die unverantwortliche Berichterstattung von einigen Medien, die die Empörungswelle von Chinesen und anderen friedliebenden Leuten der Welt ausgelöst hat.

tagesschau.de: Könnte die chinesische Regierung dafür verantwortlich sein?

Ma: Das muss ich energisch verneinen. Sie wissen vielleicht noch nicht, dass es in China mehr als 100 Millionen Internetnutzer gibt. Sie können jederzeit auf dem Internet ihre eigenen Meinungen zu verschiedenen Fragen äußern. Glauben Sie wirklich, dass alles von der chinesischen Regierung organisiert werden könnte oder müsste?

tagesschau.de: Es liegt nahe, dass es sich um eine gelenkte Kampagne handelt. Welche Auswirkungen kann so etwas auf das Bild Chinas in Deutschland haben?

Ma: Manche glauben, dass die falsche Darstellung in Berichterstattungen über China nur das Image Chinas beschädigt. Das ist sehr naiv. Ich kann Ihnen sagen, das hat bereits Ihrem eigenen Image in China und unter der chinesischen Bevölkerung Schaden zugefügt, der sich auch in Zukunft auswirken kann. Die Menschen haben gesehen, wie die westlichen Medien durch die Tatsachen entstellende Berichterstattung ihre Glaubwürdigkeit verloren haben."

Mittwoch, 9. April 2008

Was Peking (in Tibet) fehlt ist eine postsäkulere Religionspolitik

Unglücklicherweise für Millionen Gläubige in Tibet und ganz China hat die kommunistische Partei erst damit begonnen, eine postautoritäre Religionspolitik zu erfinden. Wie sehr ide bisherige Politik gescheitert ist, zeigt nicht zuletzt Tibet. So schreibt Pallavi Aiyar in Asia Times : "The events of the past few weeks, however, demonstrate that Chinese authorities have failed to read the pulse of the Tibetan people accurately. This failure boils down to an inability to grasp a society in which the spiritual is prioritized over the material."
Als Vorbild für China könnte Indien oder auch die Vereinigten Staaten dienen. In beiden Ländern erodiert das nationale Gemeinwesen nicht in Folge der lebendigen und oftmals kontradiktorischen Religionsvielfalt. Jedenfalls steht Chinas Führung vor einer gewaltigen Herausforderung. Nicht zuletzt weil die Revitalisierung von Religion für postsozialistsche Regime - wie der Fall Laos zeigt - eine grundlegende Herausforderung der staatlichen Legitmität werden kann.

Dienstag, 8. April 2008

Huangdi meets Olympia

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Zwangzig chinesische Olympiateilnehmer nahmen an der jährlichen Zeremonie zur "Ehrung der Ahnen", insbesondere des mythischen Kaisers Huangdi, teil. Xinhua liefert Bilder des Massenspektakels. Obwohl keine offziellen Vertreter der Zentralregierung anwensend zu sein scheinen, zeigt die Berichterstattung durch Xinhua zumindest die staatliche Billigung. Ich kann hier nur spekulieren, dass es sich vielleicht auch um einen gewollten Rückgriff auf Chinas "glorreiche" Geschichte handelt - wiederum als Legitimitätsreservoir. Auch für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking - inszeniert von Starregisseur Zhang Yimo - dürfte einiges in Richtung einer derartigen Symbolik zu erwarten sein.

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